Ein Brief an den Krebs

Lieber, nein passt defintiv nicht..
Sehr geehrter, sicherlich nicht…

Hallo Krebs,

ich bin so verdammt sauer auf DICH. Immer und immer wieder kommst du in unsere Familie und nimmst uns unsere Lieben einfach weg. Du bist so grausam dabei und nimmst keine Rücksicht, auf niemanden.
Du kommst IMMER zum falschen Zeitpunkt und ziehst so viel mehr Menschen mit in dieses unendlich tiefe Loch der Trauer mit rein.
Schäm Dich. Wie kannst du nur so rücksichtslos sein?
Du verschissener drecks Krebs.  
(mein mütterlich pädaogogisches Ich entschuldigt sich hiermit für diesen Ausdruck…. und für die folgenden)

Du nahmst mir damals meinen heiß geliebten Opa, der so tapfer war. Ich habe mit ihm oft Karten gespielt, im Urlaub italienisch gelernt und die Zeit bei ihm einfach nur genossen. Als er dann nur noch im Bett lag und Eiswürfel lutschte (* er hatte Magenkrebs und wurde über eine SOnde ernährt. Die z.Bsp. Cola-Eiswürfel bekam er, damit er mal einen Anderen Geschmack im Mund hatte), fand ich es super lustig und legte mich, ebenso Eiswürfel lutschend, dazu. Völlig ahnunglos und mit kindlicher Naivität genoss ich die Zeit mit dir, bis zu dem Tag, an dem mich meine Mutter plötzlich und schweigend zu einer Freundin fuhr. Danach -ich weiß es noch so genau- saß ich mit meiner Ma in der Küche und sie erklärte mir, dass mein Opi nun im Himmel sei. Dort hätte er keine Schmerzen mehr und ihm ginge es nun wieder richtig gut.
Okay. Mehr konnte ich nicht sagen, denn ich verstand nicht wirklich was da los war. Wenn Mama sagt, er hat nun keine Schmerzen mehr und ihm gehts gut, dann ist das halt so. Ist doch super. Aber wann bitte seh ich ihn denn nun wieder? Wann kommt er uns mal besuchen?
Irgendwann verstand ich es.
Das ich meinen Opi nicht mehr sehen konnte, machte mich unendlich traurig.
Allerdings machte mich der Anblick meiner Omi und meiner Mutter, noch viel trauriger.
Damals war ich 9.
Ein paar Jahre vergingen und der Schmerz verblasste, allerdings sollte es nicht länger so bleiben.
Du hast dir meine allerliebste Tante gepackt.
Grade hatte sie Zwei gesunde Kinder zur Welt gebracht, stillte beide eine gefühlte Ewigkeit, ging regelmäßig zu sämtlichen Vorsorge Unterschungen und doch. Innerhalb eines halben Jahres hast DU dich in der Brust meiner Tante breit gemacht.
Sie kämpfte, für ihre Kinder.
Ich war oft bei ihr mit meinen zarten 14 Jahren. Ich unterstützte sie, ging mit ihr einkaufen, kümmerte mich um meine beiden Cousins die zu dem Zeitpunkt 5 und 3 Jahre alt waren.
Verdammt nochmal, was für ein Scheißkerl bist DU??? Wie kannst du zwei wunderbaren Kindern einfach so die Mutter nehmen? Ich würde dir am liebsten ins Gesicht spucken, wenn du eins hättest.
Sie kämpfte so hart und ich bewunderte sie sehr. Ich liebte ihr Lachen und das sie mir so sehr vertraute.
Sie wollte noch einmal die Sonne sehen, als sie erneut ganz plötzlich im Krankenhaus lag, lange nachdem sie bereits die Chemo hinter sich hatte.
Die Sonne schien, einen Tag vor dem 4. Geburtsag ihres jüngsten Sohnes.
DU beschissener drecks Krebs hast diesen lieben, wundervollen Kindern IHRE Mutter genommen? Mit was für einem Recht??? WIESO??? Wieso verdammt nochmal…

Weitere Jahre vergingen und du schicktest die Oma dieser Kinder und die Mutter meiner Tante, zu ihr. Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Mittlerweile leidet der Bruder meiner Tante auch an Krebs und nun?
Nun, nach ALL DEN JAHREN, kommst du wieder angeschissen und krallst dir meine OMI, die dir schon einmal entwischt ist!?
Deinetwegen hat sie bereits nur noch eine Niere. DU verschissener drecks Krebs.
Diesmal hast du dir was neues einfallen lassen.
Glaub ja nicht, dass wir dich einfach so machen lassen.
Glaub bloß nicht, dass ich dir meine Omi einfach so überlasse!
Es sind KEINE Angsttränen die mir hier, während ich diesen Brief an dich schreibe, die Wangen runter laufen. Es sind Tränen voller WUT und ZORN, nehm DU dich also in Acht du beschissener drecks Krebs.

Lass dir eines gesagt sein:
NIEMAND auf dieser Welt, verdient es, DEINETWEGEN zu sterben! NIEMAND!!!

5 Gedanken zu „Ein Brief an den Krebs

  • 31. Juli 2015 um 18:25
    Permalink

    Liebe Quirlimum,

    Ihr musstet ja schon so viel durchstehen! Mir kommen die Tränen, wenn ich deinen Artikel lese. In meiner Familie ist zum Glück noch niemand an Krebs erleidet und ich kann mir nur vorstellen wie schrecklich das ist!!
    Ich wünsche deiner Omi und euch allen viel Kraft und positive Energie! Und dass deine Omi den Kampf nochmals gewinnt, ohne zusehr leiden zu müssen..Schön, dass sie eine so liebevolle und tolle Familie hat, die sie unterstützt und begleitet!

    Ich denke an euch,
    Susanna (…und dann kam Irma)

    Antwort
  • 31. Juli 2015 um 18:27
    Permalink

    Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

    Antwort
  • 31. Juli 2015 um 18:28
    Permalink

    Danke für deine lieben Worte Susanna! Ich hoffe sehr, das du und deine Familie von soetwas verschont bleibt!

    Zusammenhalt ist sooo, so wichtig…

    Alles Liebe,
    Sandy

    Antwort
  • 10. August 2015 um 18:26
    Permalink

    Ich sende dir und deiner Familie viel kraft, liebe, zusammenhalt und positive Energie. Alles Gute Verena

    Antwort

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