Ein ganz normales Telefonat

Hallo ihr Lieben!

Im etwas entfernteren Freundeskreis werde ich doch immer wieder gefragt, wie es denn so ist, mit Kindern. Ich finde es total schwer darauf eine kurze und knappe Antwort zu haben. Nicht nur, weil ich mich eh nie kurzfassen kann, sondern auch, weil ich das gar nicht so pauschal sagen kann.
Seien wir doch mal ehrlich. Es gibt Tage, an denen man ganz froh wäre, wenn die Zwerge spontan eine Woche bei Oma und Opa übernachten. (Stichwort Trotzphase) Natürlich gibt es auch die Tage, an denen man gefühlt im Dauer-Schmelz-Modus ist, weil die Kids total handzahm sind und nur süße und lustige Dinge sagen.

Also wie ist das so, mit Kindern?

Abwechslungsreich.
Ja spitze, darunter kann man sich nun nicht wirklich was vorstellen. Am besten wäre es ja, wenn die Person einfach mal unter der Woche einen kompletten Tag mit uns verbringen würde. Da das meist nicht geht, lass ich Euch mal an einem „ganz normalen Telefonat“ teilhaben.
Die Eltern unter uns haben bereits soeben mit den Augen gerollt und einen tiefen Seufzer losgelassen.

Telfonieren

Wir kommen grade aus dem Kindergarten und noch bevor mir auffiel, dass ich das obligatorische „Schuhe abputzen!“ vergessen habe, sind die Kids bereits mit ihren matschigen Schuhen rein gerannt. Die Jacken fliegen in die Richtung der Garderobe, doch ich bin zu kaputt und zu müde um mich darüber aufzuregen.
Kaum habe ich mich aus meinem Mantel befreit, da höre ich schon das Erste „Ich habe Hunger! Was gibts gleich?“ von im Schnitt vierhundertfünfzig, die so am Tag davon von beiden Kids verbraucht werden. Egal ob es eben Essen gab, oder vor 5 Sekunden behauptet wurde, das man satt sei.
Mit dem rechten Fuß halte ich die Naschischublade zu, die grade von meiner Lütten versucht wird zu plündern, während ich bereits einen Obstteller für die Kids schneide. Ich verkünde, das ich gleich kurz mit einer Freundin telefonieren möchte und erläutere ihnen, was das im Grunde für sie heißt: Klappe halten ;o) Netter gesagt, ich forme mit meinen Händen den Leisefuchs!
Die Rasselbande setzt sich an den Tisch, inklusive Malzeug und legt los. Sie plappern, zicken, essen, streiten und malen. Währenddessen schmeiß ich meine Kaffeemaschine an, hole das Telefon und weise die Kids erneut darauf hin, jetzt für 5min sich NICHT zu streiten und mich in Ruhe telefonieren zu lassen.
Um wirklich etwas Ruhe zu bekommen, wechsel ich natürlich den Raum ;o)
Ich stehe in der Küche, wähle die Nummer und nippe an meinem Latte Macchiato, als ich bereits höre, das die Kids  sich streiten.
Ich schließe die Küchentür.
Kaum das ich Hallo sagen kann, steht bereits die Lütte in der Küche und petzt was ihr Bruder fieses gesagt hat. Aus dem Hintergrund ertönt von genau dem allerdings ein lautstarkes Dementi, gepaart mit einem „Du alte Oma!“ – Ruf. Ich rolle mit den Augen, gebe der Lütten einen kurzen Ratschlag und schicke sie wieder raus. Zurück zum Telefonat :“Wo waren wir? Achso ja,…“
Telefon
Die Küchentür geht auf „Mama, ich geh jetzt pullern!“ ertönt es von der Kleinen. Die Tür bleibt natürlich auf. Während mein Gesprächspartner das Zuhören aufgegeben hat, versucht er sich nun im erzählen. Kurz bevor ich begreife, was mir erzählt wird, hör ich ein „Ich bin feeeeerrtiiiiig!“ Worüber haben wir grade gesprochen? Egal, ich helf der Kleinen beim Anziehen, weise aufs Händewaschen hin, wiederhole mich und füge das Wort Seife mit ein. Während dieser Zeit habe ich das Telefon zwischen Ohr und Schulter eingeklemmt und versuche weiterhin zu begreifen, was mir erzählt wird.
Wie bitte? kannst du das nochmal kurz wiederholen?
Es wird fleißig geplappert, die Geduld meines Gesprächspartners ist noch nicht komplett gewichen, da platzt der Große rein und zeigt mir sein Papier, auf dem er stolz seinen Namen geschrieben hat. Da er erst vor kurzem daran Interesse gefunden hat, darf ich das natürlich nicht unkommentiert lassen.
Wieder habe ich die letzten Worte von meinem Gesprächspartner nicht gehört. Trotzdem finde ich schon bald den roten Faden des Gesprächs wieder und kann sogar passend darauf antworten. Als plötzlich nebenan etwas klirrend auf den Boden fällt.

Sorry, ich leg dann jetzt mal auf und meld mich später!

Die Lütte kommt mir schon entgegen gerannt und plappert petzender Weise drauf los, wie es zu diesem Geräusch eben kam. Der Bruder hingegen fängt schon mal pauschal an zu heulen um seinen Schrecken und seine Unschuld zu beweisen.

Nachdem diese Situation geklärt, das Chaos beseitigt und die Kinder nach dreiundvierzig Runden diverser Gesellschaftsspiele einigermaßen gebändigt sind, läute ich die Abendbrotszeit ein. Ich versuche meinen persönlichen „Ins Bett bring“-Rekord zu toppen, damit die Kids schlafen, bevor der Papa nach Hause kommt (und die Kids nochmal volle Möhre aufdrehen).

Erst lese ich der Lütten noch eine Geschichte vor und dann geh ich zum Großen und kuschel mich auch noch zu ihm.

Plötzlich nehme ich ein Flüstern wahr..

„Oh, du, die ist wohl mit dem Großen zusammen eingeschlafen. Kein Problem, die ruft dich dann morgen zurück!“

Ich rolle mit meinen (geschlossenen) Augen und bleibe erstmal liegen…

 

 

Liebe Grüße aus dem Chaosland ;o)

eure Sandy

P.S: Wenn ihr wissen wollt wie ein ganz normaler Freitag bei uns aussieht, lest ihr >>hier<< .

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Ein ganz normales Telefonat

  • Dezember 2, 2015 um 20:38
    Permalink

    Hihi, genau so ist. Ich musste so schmunzeln! Mega toll geschrieben.
    Liebste Grüße Sandra

    Antwort

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