Schule von heute! Sorgen von Morgen!

Ich bin genervt, genervt vom Thema Schule, von den Eltern, den Lehrern, dem Schulsystem und mir. In der heutigen Zeit kann und darf man überhaupt nichts mehr selbst bestimmen, dabei ist doch der Selbstbestimmungs-Trend gerade erst auf dem Vormarsch!?

Reinreden

Heut zu Tage wird dir bereits in der KiTa reingeredet, was das Thema Ernährung angeht. Dann gibt es auch immer noch Kitas die einige Kinder erst aufnehmen, wenn sie trocken sind, da das ja laut Vorschrift X im Buch Y so steht: Kinder ab 3 sind trocken. Punkt.

Wenn ein Kind nicht in das 08/15 Schema passt, ist eines immer sofort klar: Schuld daran sind die Eltern.

Ist das Kind noch nicht trocken? Sind die Eltern schuld. (Die Eltern kümmern sich nicht richtig!)

Ist das Kind zu schüchtern? Sind die Eltern schuld. (Die Eltern behüten das Kind zu sehr!)

Ist das Kind zu aggresiv? Sind die Eltern schuld. (Das Kind ist nicht ausgelastet zu Hause!)

Ist das Kind zu klug? Sind die Eltern schuld. (Die Eltern machen zu viel mit dem Kind!)

Ist das Kind zu … ihr könnt hier beliebig fortfahren.

Endlich Schule

Wenn man denkt „Endlich Schule, nun redet dir keiner mehr rein!“ liegt man komplett falsch! Denn jetzt geht der Spaß erst richtig los! Du hast gedacht schlimmer als in der KiTa kann das Thema Ernährung gar nicht für dich werden? Pustekuchen. Es gibt hier sogar eine Frühstückspolizei die den Kindern die „bösen“ Sachen aus der Brotdose rausnehmen, das Kind vor der versammelten Mannschaft vorführen und belehren, um dann am nächsten Tag mit einem anderen Kind fortzufahren, während eben dieser Frühstückspolizist heimlich in den Pausen die „bösen“ konfiszierten Sachen aufisst. Statt das Thema im Unterricht zu verdeutlichen wird hier nur mit Bestrafung gehandelt. Überhaupt ist das Thema Bestrafung so aktuell wie lange nicht mehr.

Belohnungssysteme 2.0

Statt klare Grenzen einzuführen und konsequent dahinter zu stehen, werden diverse Belohnungssysteme in den Klassen eingeführt, teilweise sogar in einer Klasse mehrere Versionen! Damit nicht genug, denn um die Kinder so richtig zu verwirren, kommt dann noch der ein oder andere Fachlehrer mit einem ganz individuellen Belohnungssystem dazu, welches er/sie selbst entworfen hat und was die anderen Belohnungssysteme der Klassenlehrerin außen vor lässt.

Könnt ihr mir noch folgen? Nein? Ja, genau das ist der Punkt. Aber wenn ihr euch jetzt denkt, mehr kommt nicht, dann wartet mal ab. Denn auch das kann man noch toppen, in dem man das Haupt-Belohnungssystem (die Ampel) noch in weitere Farb-Nuancen aufteilt, um seine eigens erstellten Regeln nochmal so richtig toll zu untermauern. „Heinz-Joachim, jetzt reichts, jetzt kommst du aber auf dunkel orange! So richtig doll dunkel. Also eigentlich ist es fast schon rot!“ Übrigens nicht zu verwechseln mit „Ich zähle bis drei. Eeeeeiiiins, zweiiiiiii, zweieinhalb…, zweidreiviertel…!“

Wie man auf rot kommt? Dies ist eine gute Frage, denn die habe ich auch schon mehrfach gestellt. Die Antworten waren immer unterschiedlich und nicht wirklich aufschlussreich. Ich habe meine eigene Theorie entwickelt: Je nach Laune und Kaffeepegel der Lehrer scheint sich die Intensität der Bestrafung zu entscheiden. Es sind Kinder schon auf rot gekommen für das Hauen eines anderen Kindes, für Schubsen eines anderen Kindes, für Beschimpfungen wie „Schisser“, „Pfurznase“ und „deine Frisur ist doof“. Ja, an manchen Tagen reicht es schon, wenn der Justin-Ray falsch guckt, aber das ist nur ein Gerücht was derzeit über den Schulhof geht…

Apropos Schulhof.

Wer bei dem Wort Schulhof an coole Pausen Spiele denkt und Spaß, Freunde treffen, Fussball spielen und toben, der scheint irgendwie aus den 90ern entsprungen zu sein. Auf dem Schulhof einer Grundschule herrscht Zucht und Ordnung. Klare Regeln, keine Grauzonen, kein überschneiden mit anderen Regeln. Nein.

Hier läuft es prima.

Prima für Torben. Torben ist nämlich mittlerweile ein Viertklässler. Torben ist der Chef auf dem Schulhof und das schon seit 2 Jahren. Er hat klare Regeln eingeführt die auch 1a berücksichtigt werden. Von Allen. Den Schülern UND den Lehrern. Er bringt seine Regeln bereits den Vorschülern bei, kaum das diese begriffen haben wo sie überhaupt sind. Er vermittelt seine Regeln Eindrucksvoll mit Faustschlägen auf den Kopf. Wahlweise, wenn sein Insulinspiegel wieder gesunken ist, bietet er Erstklässlern an, andere Erstklässler zu verprügeln, für eine milde Gabe wie eine Tüte Süßigkeiten, oder 5€. Manchmal nimmt er sich auch die Jacke oder irgendwas anderes cooles. Wie gesagt, je nach Insulinspielgel halt.

Nachdem Torben tatsächlich von irgendwelchen Helikopter-Eltern ein paar Anzeigen gesammelt hat, sollte er nun eine Pausenaufsicht bekommen. Die ist aber nicht nötig, sagt die Schule. Alles halb so wild. Außerdem würde das ja auch total merkwürdig nach außen wirken. Das hier ist doch schließlich keine Schule mit einem Gewaltproblem! Pfff..Gewalt? Who the f*ck ist Gewalt?

Die paar (regelmäßigen) Platzwunden, Armbrüche und Raufereien gehören doch in so einen typischen Grundschulalltag dazu. Alles völlig normal.

Normal?

Auch noch so ein schönes Stichwort.

Denn wer hier nicht der Norm entspricht, wird nicht ernst genommen. Für Kinder die aus der Norm fallen ist keine Zeit. Es wird kaum gefordert oder gefördert, denn das hält ja bekanntlich nur auf. Also wird sich auf die Handvoll Durchschnittskinder konzentriert und der Rest läuft irgendwie mit. Kinder die überdurchschnittlich schnell mit ihren Aufgaben fertig sind, kriegen mit Glück vielleicht noch ein paar Sonderaufgaben um die dann ruhig zu stellen. Kinder die nicht ganz hinterherkommen, wird oft nur widerwillig geholfen, meist sollen die überdurchschnittlichen Kinder den unterdurchschnittlichen Kindern die Aufgaben erklären, weil das total viel bringt. So ein 7 Jähriger erkennt ja auch total schnell die Probleme von seinem Mitschüler, der bis zu dem Moment selbst noch gar nicht wusste was genau er an der Matheaufgabe nicht versteht. Aber wehe es wird gelacht dabei! Denn dann kommt auch mal ein überdurchschnittlicher Schüler auf rot, egal ob er gut geholfen hat.

Ach, apropos egal.

Wenn in der Klasse untereinander gestritten wird, oder Vorfälle passieren von „böse jemanden anderen angucken“ bis hin zu „in den Bauch treten“, dann wird diese Straftat natürlich auch direkt geklärt. Also wenn die Lehrerin gerade Zeit hat, oder in der Nachmittags Betreuung das jemand der Erzieher gesehen hat… oder ein anderes Kind petzt. Dann, ja also dann wird das geklärt. Meistens.

Wie? Ach ihr wollt wissen wie das geklärt wird? Na mit einem Entschuldigungsbild natürlich!

„Du doofe Kuh“  BÄÄÄM Entschuldigungsbild. Alles wieder gut.

Kind A tritt Kind B in die Hoden. BÄÄÄM Entschuldigungsbild. Alles wieder gut.

6 Kinder lachen ein anderes Kind aus. BÄÄÄM Entschuldigungsbild. Alles wieder gut.

Es ist dabei übrigens völlig egal ob auf dem Entschuldigungsbild Herzchen und Blumen gemalt sind, oder Orks die gerade dem „Opfer-Kind“ den Kopf abbeißen. Es ist die Geste die zählt und das man beim Malen über den Vorfall nachgedacht hat. Egal worum es geht. Völlig egal.

Aber keine Angst liebe Eltern, sollte mal was richtig schlimmes passieren, dann wissen wir ja:

Wenn der Mond im falschen Winkel zum Schenkel des Jupiters steht, dann, also dann wird das Kind vielleicht sogar bestraft, wenn es vier Wochen zuvor auch schon auf dunkelrot war.

Mit einem Pausenverbot.

 

Echt ein schönes Gefühl die Kids so gut aufgehoben zu wissen.

 

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Aus rechtlichen Gründen möchte ich hier tatsächlich nochmal darauf hinweisen, dass diese Geschichte natürlich deutlich überspitzt erzählt ist, die Gemeinsamkeiten zu gewissen Situationen rein zufällig *hust keuch lach* gewählt sind und überhaupt alles ja gar nicht so schlimm ist.

Wirklich wichtig ist mir allerdings, dass ich hiermit nicht alle Lehrer über einen Kamm schere! Mir ist durchaus bewusst, dass es Lehrer und Schulen gibt, die mit vollem Herzblut dabei sind, alles erdenklich mögliche tun FÜR die Kinder und sich nahezu aufopfern. Und ja das Thema Ernährung ist wichtig, ebenso sind nicht alle Belohnungssysteme schlecht.

Ich hoffe einfach inständig, dass die Meisten von euch wissen wie ich das hier meine.

Ich selbst engagiere mich genau deswegen ganz bewusst im Elternrat. Denn von nichts kommt nichts und ich hasse es wirklich sehr, wenn Leute nur meckern, aber selbst nichts unternehmen um Dinge zu ändern.

In diesem Sinne,

alles Liebe, eure Sandy

 

 

 

 

6 Gedanken zu „Schule von heute! Sorgen von Morgen!

  • November 21, 2017 um 11:52
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    Ich bin grad irgendwo zwischen amüsiert und entsetzt, denn irgendwo ist bei Satire der wahre Kern und das mit Frühstückspolizei scheint kein rhetorisches Mittel. Meinem Eindruck nach liegt vieles an der Schulpolitik, die Schulen werden mit Problemen allein gelassen, darüber hab ich auch gebloggt, weil es mich aufregt. Es sind zu große Klassen, zuwenig Lehrer und es fehlt an Sozialarbeitern, Psychologen etc.. Die Politik macht die Augen zu und die Schulen baden es aus. Wir haben wirklich tolle Lehrer, aber auch die sind am Limit.

    Antwort
    • November 21, 2017 um 18:09
      Permalink

      Du sagst es! Wir haben wirklich tolle Leherer, nur kommen auch die an ihre Grenzen und werden ausgenutzt. Ohne Unterstützung können eben diese tollen Lehrer nicht viel ausrichten. Die Politik lässt die Lehrer und uns schlicht weg allein. Das kann und darf doch so nicht sein?!

      Antwort
  • November 21, 2017 um 14:16
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    Hallo Sandy,

    Bis auf die Frühstückspolizei läuft es an unserer rein fiktiven Schule ähnlich.

    Ich war auch schon kurz vorm fiktiven Verzeifeln.

    Und du hast natürlich recht, Schuld sind allein die fiktiven Eltern.

    Ich hoffe einfach, wir sind die einzigen mit solch fiktiven Schulen.

    Viele Grüße
    Mama Maus

    Antwort
    • November 21, 2017 um 18:11
      Permalink

      Tja, es gibt leider mehr von diesen fiktiven Schulen mit den fiktiven Problemen, als man so annimmt.. Traurig genug wenn man es sich nur vorstellt.. Ich möchte mir gar nicht ausmalen wie es wäre, wenn es wahr wäre.. ach warte…

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  • November 28, 2017 um 11:04
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    Ahhhhhhh, perfekter Beitrag. Hätte von mir sein können. Gruselig, dass das normal zu sein scheint! Bei uns alles exakt auch so. Jeder. Einzelne. Punkt.
    Beispiel, das mich noch immer irre macht: Die Maus (3. Klasse, beim „Vorfall“ 2.) lief im Schulhaus neben einem Mitschüler, der stolperte und hinfiel und sich voll wehtat. Sie sagte „Scheiße!“ und half ihm hoch. Eine Lehrerin hörte das BÖSE WORT und schickte meine Tochter aufs Klo. „Geh dahin, wo das Wort hingehört.“ WOTSEFACK?!

    Und für die Pausen hängt ein Schild da, auf dem Steht, wo mit wem welches Spiel gespielt wird. Seilhüpfen mit Uschi und Bärbel hinten links an der Rennbahn. Oder doch lieber Hulahoop mit Stefan und Ulf beim großen Baum? Man stelle sich mal vor, was die Kinder ohne diese Anregungen machen würden!!!! Dastehen und nichts tun! Die ganze Pause lang! 😀 Aber dann übers Helikoptern schimpfen, ne?

    Du merkst, ich könnte hier grad einen ganzen Artikel verfassen! Aber das hast du ja schon…. Danke!!!!

    Antwort
    • November 28, 2017 um 11:50
      Permalink

      Whaaaaaaat??? Sie wurde auf’s Klo geschickt??? Hammer… Bei uns gibt’s auch ein „Pausenrad“, einmal drehen,dann steht da mit wem du was spielst.
      Manchmal weiß ich auch nicht, ob ich mich wundern oder aufregen soll…

      Antwort

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