Versagen als Mutter – mein schriftlicher Ausraster

Ja ihr lest richtig. Ich habe das Gefühl zu versagen. Auf ganzer Linie. Ich bin als Powerfrau bekannt, habe immer einen lustigen Spruch auf den Lippen und lächel den ganzen Tag. Doch auch ich kann irgendwann nicht mehr. Auch mein Akku muss irgendwann, irgendwo und irgendwie mal wieder aufgeladen werden, damit ich weiter Lächeln kann.

Versagen

Ich bin nur noch am Pöbeln und Motzen und kann mich selbst kaum noch hören. Die Einschulung kostet mich mindestens genausoviel Kraft, wie meinem Großen und dazwischen hockt die Lütte die genau weiß wie sie Aufmerksamkeit bekommt. Wie eine typische Vierjährige halt. Sie zupft an mir, sie heult einfach so drauf los, bockt weil ich sie nicht permanent beachte und dann doch irgendwie, weil sie ja bockt und ich motze. Ich brülle teilweise wie ein bekloppt gewordener Bär auf Winterschlaf-Entzug und ich schwöre euch, die Super Nanny würde sich in die Hosen machen, würde sie sich ein Filmchen von meinem 08/15 Alltag angucken.

Ich bin zwar zynisch, doch weiß ich selbst sehr genau, dass es eigentlich dabei nichts zu lachen gibt. Denn so kann sich hier niemand wohlfühlen. Ich motze, die Kinder motzen, der Mann motzt, selbst die Playmobil-Männchen motzen sich schon gegenseitig an und plötzlich, so mittendrin in diesem alltäglichen Wahnsinn liegen wir uns alle Lachend in den Armen und haben Spaß.

Ach ne warte. Das war ein Traum.

Der Alltag kotzt mich grade an und bevor hier gleich welche mit ihren Moral-Schildern wedeln, keine Panik: Ich such mir bereits Hilfe. Ich finde aus diesem verkackten Hamsterrad der Alltags-Motzigkeit nämlich nicht mehr raus. Denn kaum hat man das Gefühl, dass man es doch alleine schaffen kann, sich aus dem Mist heraus zu manövrieren, wird irgendwer aus der Familie krank, geht ein (wichtiges) Haushaltsgerät kaputt, bekommt man vom Chef eine super duper mega wichtige Aufgabe zugeteilt, oder man schläft einfach im Stehen ein und erledigt somit nicht das, was man erledigen wollte und schon gar nicht das, was man eigentlich erledigen musste.

Ist das dieses Mutter-Sein? Seine Grenzen so dermaßen zu spüren, dass man sich selbst dafür hasst? Und immer wieder dieses Gefühl des Versagens.. „Warum schaffen das alle anderen?“ Ja warum schaffen es überhaupt welche,  am Elternsein nicht zu zerbrechen? In der heutigen Zeit ist es doch fast unmöglich nicht depressiv zu werden oder ein Burnout zu erleiden.

Vorwürfe

„Deine Eltern und Schwiegereltern wohnen doch in der Nähe und du arbeitest ja nur Teilzeit, also beschwer dich nicht!“ Danke ihr kleinen miesen Arschgeigen, die immer noch locker ein Kilo Salz in die offene Wunde kloppen und sich dann wundern warum man mit diesen Leuten nichts mehr zu tun haben will. „Es hätte ja noch viel schlimmer werden können! Du musst auch mal loslassen können, mach doch einfach mal das was du willst!“

ICH WILL aber MIT meinen Kindern Spaß haben! Ich liebe meine Kinder, meine Familie, mein Mama-sein und dieses Gefühl es zu lieben, liebe ich auch. DAS ist das was ich will, jetzt sofort. Nur leider finde ich diesen beschissenen Anschalt-Knopf dafür grade nicht. Der versteckt sich irgendwo zwischen dem Miesepeter den ich verschluckt habe, der schwabbelnden Büffelhüfte die aus meinen Schoko-Freßattacken raus resultiert und dem Schamgefühl, welches wie ein kleiner Schatten über mich selbst liegt, weil ich versage. Nein Moment, bevor mich gleich 80 Psychotherapeuten auf einmal anrufen korrigiere ich mich schnell: Weil ich das Gefühl habe, zu versagen.

coole Muddi

Denn wirklich versagen, tu ich eigentlich nicht. Ich bin eigentlich eine ziemlich „coole Muddi“ die gern auf dem Boden mit den Kindern rumrockert, selbst mit der Seilbahn auf dem Spielplatz fährt und immer die größte Sandburg baut. Ich steh auch mal im Tor, wenn der Große seinen Schuss perfektionieren möchte, oder ich organisier mal eben eine ganz spontane Prinzessinnen Party für die Lütte, nur weil sie und ihre Freundin darauf bock haben. Eigentlich bin ich echt ziemlich cool, wenn der verkackte Alltag nicht wär, der mich immer wieder vergessen lässt, dass ich gar nicht so schlimm bin, wie ich mich fühle.

Und während jetzt bereits die ersten Therapeuten den Hörer wieder aufgelegt haben und einige vielleicht sogar zaghaft applaudieren, da ich am Ende meines schriftlichen Ausrasters doch noch positive Worte über mich fand, ist da noch der ein oder andere unter ihnen der etwas zweifelt. Zurecht. Denn ich habe Angst! Angst das ich es irgendwann ganz vergesse, dass ich eigentlich gar nicht so schlecht bin, wie ich mich manchmal fühle…

 

Und die Moral von der Geschicht:

Seid ehrlich zu euch, seid ehrlich zu allen.

 

Nein im ernst, lasst uns nicht immer die Super-Muddi raushängen wenn wir in der Öffentlichkeit sind. Redet offen darüber, wie ihr euch fühlt. Es ist nämlich völlig normal sich nicht immer SUPER zu fühlen. Denn irgendwo da draußen trefft ihr auf Jemanden, dem es genauso geht und allein das zu wissen, kann einem schonmal Hilfe genug sein.

Ich merk es grade, denn seit letzer Woche nehme ich an einem Kurs teil, der sich „Starke Eltern, starke Kinder!“ nennt und wisst ihr was? Wir Mütter haben alle mehr Gemeinsamkeiten, als ihr denkt. So unterscheidlich unsere Familien und Wertvorstellungen auch sind, so ähnlich sind sich unsere Alltagsprobleme. Es klingt verrückt, ist es vielleicht auch ein bisschen.  Hauptsache ist es doch zu wissen, dass man mit den Gefühlen und den Problemen nicht allein ist.

 

In diesem Sinne ihr Lieben,

haltet die Ohren steif und wenn ihr sie doch mal hängen lassen wollt, dann nur zu! Es tut gut!

 

Amen ;o)

10 Gedanken zu „Versagen als Mutter – mein schriftlicher Ausraster

  • Oktober 15, 2016 um 11:28
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    Du coole Socke, sprichst mir aus der Seele :*

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    • Oktober 16, 2016 um 15:59
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      *high five Klatsch Geräusch* 😘😂👍

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  • Oktober 15, 2016 um 20:17
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    Oh ich kenne diese Zeiten, wo man am Ende des Tages merkt, dass man heute ganz schön viel gemeckert hat. Ich finde auch die Jahreszeit macht gerne mal depressiv…

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  • Oktober 16, 2016 um 9:44
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    Haha, wunderbar, Du Liebe! Da sieht man mal wieder, dass die schlechteste Stimmung die besten Texte hervorbingt! Haste wenigstens was draus gemacht, gut so! Du bist ganz sicher nicht allein. So fühlen wir uns doch alle – manchmal und manchmal täglich. Ich habe das Gefühl besonders gut mit Dir mitfühlen zu können. Mein Sohn ist auch gerade eingeschult worden. Und obwohl ich das Gefühl habe, dass er es alles ziemlich easy wuppt, ist es für mich doch ganz schön emotionaler Stress. Ich will ihm viel Raum geben, zu erzählen und selbst zu erfahren, und mein 3, fast 4-Jähriger trötet auch ständig dazwischen. Zurecht natürlich! Aber es ist soo anstrengend.! Ich weiß, du willst wahrscheinlich eigentlich keine guten Tipps hören, aber ich bin ja so eine Ratgebertante, ich kann es nicht lassen. 1. Auch wenn Du Deine Familie liebst und gerne Zeit mit Deinen Kindern verbringst, 2 Stunden alleine am Tag (qualitätsvoll genutzt, also nicht mit Abwasch, sondern mit Sport, Spazieren, was Dir Spaß macht) gibt manchmal genug Kraft für den Rest des Tages. Drüber schreiben zählt auch, hast Du ja schon gemacht 😉 Und: wenn es anhält: eine Mutter-Kind-Kur ist so toll!! Auch für eine Qualitäts-Zeit für Dich und die Kinder (Ich habs gemacht, meinen Erfahrungsbericht kannst du hier nachlesen: http://www.ahoikinder.de/2745/mutter-kind-kur/ ) Überleg es Dir mal, wenn Du es jetzt beantragst, klappts wahrscheinlich ohnehin erst im nächsten Sommer 🙂
    Liebe Grüße, Ute

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    • Oktober 16, 2016 um 15:59
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      Danke liebe Ute für deine Tipps ! Ich versuch auch grade etwas umzuplanen, damit genau solche „Freizeit“ Stündchen für mich auch mal wirklich wieder existieren!
      Es tut gut zu wissen, dass man mit diesen Gefühlen nicht alleine ist und ja, über eine Kur denk ich auch bereits nach!
      Danke 😘👍

      Antwort
  • Oktober 16, 2016 um 11:58
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    Ich brülle manchmal auch wie ein bekloppt gewordener Bär auf Winterschlafentzug… Super Beschreibung. Dein Alltag hört sich an wie unserer 👍😂

    Antwort
    • Oktober 16, 2016 um 16:01
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      Hehehehe 😂😂😂 willkommen im Club der bekloppten Brüll-Muttis 😜
      Schön das ich dich etwas erheitern konnte 😂

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  • Oktober 17, 2016 um 13:55
    Permalink

    Ohhhh Brüllen kann ich auch ganz gut, aber wir arbeiten dran. Ich habe das Gefühl es wird besser. Die Blogger-Community gibt mir schon sehr viel, werde jetzt gleich mal den Bericht über die Mutter-Kind-Kur von Ahoi Kinder lesen, wir gehen im Januar in die 3-wöchige Kur. Genau: Es dauert 6 Monate bis man einen Platz bekommt, aber warum nicht einfach mitnehmen, die Klinik bietet auch Eltern-Coaching nach irgend so einer Methode, werde mich da vorher noch einlesen 🙂 Ich wünsche dir dass du einen Weg für dich findest, liebe Grüße, Ella

    Antwort
    • Oktober 17, 2016 um 14:52
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      Danke! Und ja, es tut gut zu wissen das man nicht allein damit ist! Zum Glück gibt es nicht nur „heile Welt“ Blogger 😜 ich bin gespannt was du von der Kur berichtest! Ich werde mich diesbezüglich auch mal schlau machen!
      LG Sandy

      Antwort
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