Der Schulweg

„Hallo, mein Name ist Sandy und ich fahre meine Kinder täglich mit dem Auto zur Schule.“

Dieser Satz reicht, damit ein Großteil genervt mit den Augen rollt und mich in eine Schublade steckt:

DIE HELIKOPTER MUTTER

„So werden die Kinder niemals selbstständig und überhaupt, was soll dieses übertriebene Geglucke?!“ Dieses, oder ähnliches schwirrt dann in den Köpfen rum und oft genug wird diese Meinung auch gleich raus posaunt. Daraus wird geschlussfolgert, dass ich meinen Kindern nichts zutraue und die werden dann fette, faule, kleine Biester die völlig verwöhnt sind, alles bekommen und keine Regeln kennen. Sie werden weder wissen was die Farben der Ampel bedeuten und bei einem Zebrastreifen halten sie nur nach einem Safari-Jeep ausschau. Kurz: Sie werden niemals selbstständig. Sollten diese Kinder jemals einen Fuß im öffentlichen Verkehr alleine wagen, werden sie mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit sofort überfahren und dann bin einzig und alleine ICH daran schuld.

Verwöhnte Gören.

Ehrlich jetzt?!Hallo? Ich meine wer sind wir überhaupt, dass wir andere Menschen beurteilen und uns selber immer besser darstellen müssen? Wann hat dieser kranke Mist so überhand genommen?

Ich könnte ausflippen! Denn ich bin es leid! Leid mich rechtfertigen zu müssen, vor Fremden, vor der Schule, vor Bekannten, vor ALLEN die mit diesen Vorurteilen jonglieren und mal hier und da eins raus posaunen.

Herrgottnochmalkümmerteuchumeurenscheiss.

Natürlich gibt es einige „Übermütter“, und ja, vielleicht haben es die Kinder dadurch etwas schwerer, früh (!) selbstständig zu werden, aber werden es deswegen schlechtere Menschen?

Nein!

Wen genau stört das denn jetzt? Ist es vielleicht sogar besser, die Kinder in der heutigen Zeit länger zu betüddeln? Wer weiß? Ist es nicht eigentlich auch völlig egal?

Kann es bitte jeder so machen wie er möchte?

Denn immerhin ändert sich auch einiges mit der Zeit. In meinem Umfeld arbeiten fast 95% der Mütter und heutzutage wählt man nicht immer nur die Schule, die im direkten Einzugsbereich ist, sondern sucht sich eine – für das Kind passende- Schule aus. Die kann dann gerne mal – wie bei uns- mehr als 2km weit weg sein und zack, bietet es sich einfach an das Kind zu fahren. Denn vielleicht wohnt man grade auch so doof, das der Weg zur Bushaltestelle zu Fuß schon länger dauert, als die eigentliche Busfahrt. Vielleicht ist der Schulweg auch verkehrstechnisch nicht grade in einer ruhigen Lage, sondern an einer vierspurigen Strasse. Vielleicht liegt aber auch diese extra ausgesuchte Schule verrückter Weise ganz genau auf dem Arbeitsweg eines Elternteils und – siehe da – ist es einfach für alle Beteiligten die einfachste Lösung!? Vielleicht geht es DICH auch einfach nur mal gar nichts an, warum Familie X ihr Kind immer fährt!? Es gibt tausende Gründe, die uns alle einfach nicht zu interessieren haben.

Druck und Neid, ist so manchen Leid..

Uns ist allen bekannt, dass bereits in den Babygruppen Druck auf uns Mütter ausgeübt wird. Viele von euch haben das mit großer Sicherheit schon selbst erlebt mit Sätzen wie „Was? Das kann dein Baby noch nicht?!“ oder „Du verwöhnst dein Kind zu sehr, es muss auch mal lernen zu warten!“ bis hin zu richtig fiesen Verurteilungen wie „Du stillst noch? /nicht? /im Liegen? /nur nachts?“ und, und, und… Statt das wir aus solchen Situationen lernen, wenden wir sie selber an, nur oft zeitverzögert. Jeder hat seine Meinung und manchmal kann man einfach nicht anders und lässt sie raus. Auch mir passiert das und auch nicht grade selten. Dennoch sollte man viel öfter nachdenken, bevor man jemanden verurteilt. Denn es steckt immer irgendwas dahinter. Also lasst uns den Druck mal selbst entschärfen, denn wir sind diejenigen, die diesen Druck überhaupt erst machen!!!

Zurück zum Thema.. Der Schulweg

Es werden bereits bei der Einschulung Infozettel über das Verkehrsverhalten verteilt und eindringlichst drum gebeten, die Selbstständigkeit der Kinder zu fördern, in dem man sie nicht mit dem Auto bringt, sondern zu Fuß gehen lässt. Versteht mich jetzt nicht falsch, das Grundprinzip ist ja nett und richtig, nur die Ausführung im Jahre 2018 erschwert das Ganze. Denn mittlerweile wird nicht einfach die Schule gewählt, die am dichtes an dem Wohnort ist, aber das sagte ich ja bereits zu Anfang.

Menschen sind unterschiedlich, also gibt es nun mal keine 08/15 Schulform, die allen passt.

Ja, SO sieht es heute nämlich aus. Es gibt kein Schema F, nachdem sich alle zu richten haben und brav alles nach Plan machen. Und das ist verdammt nochmal GUT SO! Also bitte, wie wäre es einfach mal mit RAUSHALTEN? Das neue Jahr ist im vollen Gange und die ersten Vorsätze sind schon längst vergessen. Zeit für einen neuen Vorsatz! Warum nicht sowas wie: Mehr um sich selbst kümmern. Weniger verurteilen. Tolerieren lernen. Oder auch mal „Klappe halten“ ;o)

Und für die ganz harten Socken unter uns: Andere Meinungen/Lebensweisen einfach mal AKZEPTIEREN !

Für die, die jetzt meinen, ich motze hier nur, weil es mich selber betrifft.. Ja! Ja ich motze, weil es mich betrifft und nein, nicht nur weil es mich betrifft, sondern weil viele so verurteilt werden und sich dämliche Vorwürfe anhören müssen. Ich habe es einfach satt und bin müde, müde mich zu rechtfertigen vor Menschen, die mir eigentlich völlig egal sind!

Ich bringe meine Kinder mit dem Auto zur Schule, ja. Anders schaffe ich es aus organisatorischen Gründen nicht. Wenn hier jemand die Zeit anhalten kann, dann bitte, dann würde ich sehr gerne mit dem Fahrrad mit meinen Kindern zur Schule fahren.

Doch wisst ihr, was hier das eigentliche Problem ist? Nicht der Wille, nicht die übertriebene Sorge um die Kinder oder die Unfähigkeit sich zu organisieren.

Nein.

Es ist das leidige Thema VEREINBARKEIT.

Nicht alle Arbeitsplätze auf dieser Welt haben Gleitzeit, nicht alle Chefs applaudieren, wenn man so kommt, wie es für einen am besten passt. Und nicht jedes Kind kann in den Früh/Spätdienst.

Wenn dann auch noch das Schulsystem so veraltet bleibt wie es ist, tja dann muss man sich nicht wundern, warum so viele Kinder einen enorm weiten Schulweg haben..

 

In diesem Sinne,

fahrt vorsichtig! Eure quirlige Sandy ;o)

Ein Gedanke zu „Der Schulweg

  • 26. März 2018 um 13:31
    Permalink

    Liebe Sandy, ich fahre meine Kinder zur Zeit auch mit großem schlechten Gewissen Mini-Wege. Aus den Gründen, die du genannt hast. Langfristig ist das Ziel aber auf jeden Fall, dass sie den Weg alleine schaffen. Davon profitieren dann irgendwann alle: die Kinder, die Mütter und die Umwelt. Liebe Grüße, Stephanie

    Antwort

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